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Michael Kleine
June 13 to September 6, 2013
Helga Maria Klosterfelde Edition

„...Man geht davon aus, dass es in vergangener Zeit ein anderes Bewusstsein, eine andere Wahrnehmungsform gegenüber unserer Umwelt, gegenüber Lebewesen und Objekten gab. Dabei ist interessant, dass wir diese Bewusstseinsform heute nur noch theoretisch erfassen, aber nie wieder beherrschen können. Es war eine zivilisatorische Vorform, die wir deshalb nicht mehr erreichen können. Sie bestand darin, dass es damals keine Unterscheidung gab zwischen einem realen Lebewesen oder einem realen Gegenstand und Symbolen, Repräsentanten, Abbildungen... – Dingen, die ihre Funktion primär darin haben, von sich selbst abzulenken und auf etwas anderes zu weisen – : ein Symbol, das etwas anderes bedeutet; einer, der einen anderen repräsentiert, eine Abbildung, die etwas anderes zeigt... Wenn damals ein Ton-Pferd in ein Grab gelegt wurde, war die Annahme und Überzeugung und Empfindung, dass das Ton-Pferd ein reales Pferd ist – und kein Symbol für ein wirkliches Pferd. Es ist das Pferd. Ähnlich diente auch ein Möbelstück, das als Opfer oder Grabbeigabe verwendet wurde, nicht dazu, ein reales Möbel zu symbolisieren oder an ein reales Möbel zu erinnern, sondern es wurde immer als das reale Möbelstück wahrgenommen, in seiner ganzen Funktionalität und Bedeutung und Wirkungsweise.
Es handelt sich um eine Auffassung von Dingen, die möglich ist bevor man die Umwelt mit Funktionen und Bedeutungen belegt; um einen Zustand in dem es noch keine Einteilung gibt, was in welcher Funktion zu mir oder anderen Bestandteilen meiner Umwelt steht. Es ist ein Bewusstsein, dass mich zunächst eins-zu-eins gegenübertreten lässt, in einer realen Konfrontation. Um überhaupt erst mal eine Verbindung und Direktheit möglich zu machen, ist es wichtig, das Gegenüber, den Gegenstand als das wahrzunehmen, was er ist – in seiner ganzen Reduziertheit und Einfachheit. In dieser Art von Begegnung ist es wichtig, dass das Andere in seiner Eigenständigkeit und Losgelöstheit zunächst anerkannt oder erkannt wird. Auf dieser Basis finden die Projektionen und Verbindungen statt, die man macht und erfindet. Diese Idee ist wie eine Technik, die man verwenden kann, um schlussendlich eine Komplexität zuzulassen, eine Komplexität, die dann aber auch erfahrbar wird, die nicht ausgedacht, vorausgedacht wird – sondern direkt erfahren wird...“

Ein Gestühl richtet einen Ausblick auf die Potsdamer Straße ein. Es bietet mehreren Zuschauern gemeinsam Platz.
In einem angrenzenden Raum steht ein Tresen. Er ist von allen Seiten zugänglich und versammelt Gäste um sich.

An der gestalterischen Ausarbeitung des Gestühls war Jan Bourquin beteiligt.

Michael Kleine, geboren 1981 im Schwarzwald, studierte Musiktheaterregie in Hamburg. Seine Bühnen- und Objektarbeiten zeigte er u. a. im Pavillon der Volksbühne Berlin, an der Staatsoper Hamburg, am ZKM Karlsruhe, in der Mausoleumskirche in Graz. Zudem arbeitet er oft in Kooperation mit Komponisten, Choreografen und anderen Bildenden Künstlern und als Darsteller.


“We can assume that in earlier times there was a different awareness, a different perception of our environment, of living beings and objects. The interesting thing is that today, we can only understand this form of awareness in theory but will never be able to attain it ourselves. It was a precursor to our civilization, making it impossible for us to ever experience it again. In principle, there was no difference back then between a real living being or a real object and symbols, representations, illustrations … things whose function revolves around distracting attention from themselves and directing it toward something else: a symbol that has a different meaning, one thing that represents another, an illustration that shows something else. … Back then, if a clay horse was placed in a tomb, there was an assumption and conviction and perception that the clay horse actually was a real horse—and not just a symbol of a real horse. It was the horse. Similarly, a piece of furniture used as an offering or burial object was not meant to symbolize real furniture or evoke real furniture, but was rather perceived as being the real piece of furniture in all of its functionality and meaning and purpose. “We are talking about a conception of objects that is only possible before people fill the environment with functions and meanings; a situation in which nothing designates what takes which function in relation to me or other elements of my environment. It is an awareness that allows me to view things head on, to enter into a real confrontation. In order for this connection and directness to be possible, it is important to perceive the object of confrontation, the thing itself, as exactly what it is, in total reduction and simplicity. In this type of encounter, it is essential first to recognize or acknowledge the other in its autonomy and detachedness. This provides a basis for the projections and connections that one creates and invents. “This idea is a technique one can use to open up a certain complexity—a complexity that allows itself to be experienced, that is not invented or thought out ahead of time but rather experienced directly.”

Seating is arranged with a view onto Potsdamer Straße, offering enough space for several viewers to share. The next room contains a counter. It can be accessed from all sides and attracts visitors to gather around.

Jan Bourquin contributed to the design of the seating.

Michael Kleine was born in 1981 in the Black Forest and studied musical theater direction in Hamburg. His work with objects and works for the stage have been shown at the Pavillon of the Volksbühne Berlin, the Staatsoper Hamburg, the ZKM Karlsruhe, and the Mausoleum in Graz, among other venues. He frequently collaborates with composers, choreographers, and other artists and often performs himself.
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